|
![]() |
||
| Geschichte | ||
Jan de Wilde, geboren 1907 in Amsterdam, war von klein auf mit der Fahrradbranche verbunden. Als 7jähriger half er bereits im Fahrradgeschäft seines Vaters in Amsterdam. Als er 16 war, fing De Wilde bei der Fahrradfabrik Hartog in der Haarlemmerstraat in Amsterdam an zu arbeiten. Hier lernte er das Fertigen von Fahrradrahmen und wurde er nach ein paar Jahren Betriebsleiter.
Jan de Wilde als 7jähriger Junge vor dem Laden seines Vaters
Anfang der 30er Jahre verlegte Hartog
seinen Betrieb nach Zeist, und De Wilde ging mit. Während der Krisenjahre in Deutschland
stellte der Geschäftsführer T. Hartog qualifizierte Arbeiter aus deutschen
Fahrradfabriken ein. Um 1934 gab Hartog De Wilde den Rat, ein eigenes
Fahrradgeschäft zu eröffnen.
Straaljager-Prospekt aus den frühen Fünfzigern
Anfang der 50er Jahre beschäftigte
De Wilde 50 Mitarbeiter. Da das Firmengebäude an der Gelderschekade zu klein wurde,
ließ er eine neue Fahrradfabrik bauen, diesmal in dem Fischerdorf Volendam. Hier baute
De Wilde ab 1952 Straaljager-Räder, Tandems und für kurze Zeit auch Mopeds, sowie
Fahrradrahmen aller Art für u.a. Großhändler.
"Thunderjet" Quintuplett
Die Straaljager-Räder wurden bis 1958
produziert. Ab diesem Zeitpunkt spezialisierte man sich wieder ausschließlich auf das
Bauen von Fahrradrahmen. Das Unternehmen expandierte und beschäftigte mittlerweile 80
Mitarbeiter. Als Exportländer wurden in der Folgezeit Deutschland und Frankreich immer
wichtiger. |
||
De Wilde suchte nach neuen Modellen und Ideen und fand eine alte Idee: das typischen Hollandrad mit gebogenem, hochgezogenem Oberrohr. Dieses Modell hatte in den Jahren zuvor an Beliebtheit eingebüßt, De Wilde sah hierfür jedoch einen Markt und stellte bei der Zweiradmesse der RAI Anfang 1976 sein "Veeno Tors - Modell 1886" vor. Später sollte dieses Modell tatsächlich wieder eine wachsende Zahl von Käufern finden. Außerdem verkaufte De Wilde gewöhnliche Stadträder (Marke Vedra), Veeno Tandems sowie Veenolite Sporträder. |
||
In dieser Zeit hatte der Betrieb eine Jahreskapazität von 80.000 - 100.000 Rahmen, einschließlich 25.000 - 30.000 Fahrrädern, und wurde ein Drittel der Produktion exportiert. Die Fabrik war modern eingerichtet, lief hervorragend und hatte mehr als genug Arbeit. Anfang 1977 bekam man jedoch Probleme, als der dynamische Willem de Wilde durch eine unheilbare Krankheit ausfiel. Auch die Reorganisation war damals noch im Gange. Durch den Ausfall von De Wilde fiel schon bald die Koordination weg. Die Vorratsbeschaffung für das Unternehmen mit seinen 300 Lieferanten war eine komplizierte und heikle Sache. Schon bald zeigte die Vorratshaltung Lücken. Dadurch konnten die Fahrräder nicht mehr komplett montiert werden, wurden Liefertermine nicht eingehalten und geriet die Liquidität des Unternehmens in Gefahr. Die Lieferanten, die von Gerüchten um die ernsthafte Erkrankung des Geschäftsleiters alarmiert worden waren, drehten den Kredithahn zu. So geriet die Firma in einen Teufelskreis. Eigentümer De Wilde drückte die Tragik der Situation vom Krankenbett aus wie folgt aus: "Wenn es an mir läge, würde ich sofort wieder in die Firma gehen. Mit ein paar Telefonen und dem Fernschreiber hätte ich den Laden schnell wieder am Laufen. Aber das ist leider nicht möglich." Im September 1977 ging die Fahrradfabrik De Wilde in Konkurs, kurz vor dem Tod des knapp 45 Jahre alten Willem de Wilde am 4. November 1977. Danach versuchte man, in den Niederlanden oder in Deutschland einen neuen Eigentümer für das Unternehmen zu finden, jedoch ohne Erfolg. Schließlich wurde der Betrieb komplett an den Fahrradgroßhändler Smits aus Capelle a/d IJssel verkauft, der Rijwielfabriek Veeno De Wilde B.V. im Mai 1978 versteigerte. Das letzte Kapitel der Geschichte der Fahrradfabrik De Wilde war der Abriss der Fabrik in Nieuwe Niedorp Ende März 2006.
|
||
| Quelle | ||
Die Informationen zu Rijwielfabriek De Wilde stammen von Jan de Wilde, dem Enkel des Gründers. Er ist auf der Suche nach von De Wilde hergestellten und z.T. auch in Deutschland vertriebenen Fahrrädern der Marken Straaljager, Rocket, Havrelux, Monza und Veenolite. Außerdem sucht er Abziehbilder dieser Marken, alte Rechnungen, Reklameartikel und alle Informationen zu Rijwielfabriek Veeno De Wilde B.V. Wenn Sie etwas entsprechendes haben oder wissen, können Sie ihn anrufen: Jan de Wilde, Tel.: 0031-299-646333. |
Haben Sie ein altes Straaljager- oder Veeno-Fahrrad? Dann fügen Sie es zur Fahrraddatenbank hinzu! Mehr Informationen zu dieser Datenbank finden Sie hier.
Copyright by Jan
de Wilde and Herbert Kuner, © 1999 ...
All rights reserved.
Last update: 30.03.2006